Bericht ĂŒber meinen Aufenthalt in Amerika

Juli bis September 2001

Von Alenka Tschischka

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Amerikaner sind nett und höflich, selbst in New York, obwohl sie im Lande als ein wenig hochnĂ€sig und stĂ€ndig in Eile gelten. New York war mein erste Station in Amerika. Werner Holzer hatte mir einen Kontakt zum Population Council vermittelt. Das ist eine NGO, die sich seit 49 Jahren mit dem Thema VerhĂŒtung und in den letzten 20 Jahren auch mit Aids beschĂ€ftigt. Neben der sozialwissenschaftlichen  Forschung, die sich weltweit mit dem Thema Familienplanung beschĂ€ftigt, wird in den Labors an der Rockefeller University geforscht.

Nach der ersten Woche, in der ich das Apartment in Brooklyn bezogen habe, stand ich in einem Hochhaus unweit des UNO-GebĂ€udes – mitten in New York und konnte es kaum glauben. Judy Diers vom Population Council hieß mich herzlich willkommen. Sie nahm mich unter ihre Fittiche und gleich mit zu einem Brown-Bag-Seminar. Das sind informelle Treffen zur Mittagszeit, zu dem der Lunch in einer braunen TĂŒte mitgenommen wird. Jeder aß, eine BBC-Dokumentation zum Thema Aids wurde gezeigt und dann darĂŒber diskutiert. Dann wurde ich den Wissenschaftlern kurz vorgestellt.

Eine Frage tauchte immer auf: Warum ich nach Amerika gekommen bin. Ich habe dann immer geantwortet, daß ich meinen Horizont erweitern wollte, Amerika kennenlernen will. Das hat, glaube ich, viele meiner GesprĂ€chspartner verwundert. Daß ich meine Arbeit verlasse und mir solange Zeit nehme, etwas anderes, was nicht gerade ein konkretes Projekt war, zu machen.

DafĂŒr hat mich verwundert, daß die ArbeitsplĂ€tze der Organisation fast alle durch Spenden und Fördergelder finanziert sind, und somit nicht gerade sicher sind. Die Arbeitnehmer

haben nach eigenen Aussagen damit kein Problem, auch nicht die Leiter der einzelnen Forschungsgruppen. Sie waren gerade dabei, die AntrĂ€ge fĂŒr das kommende Jahr zu schreiben. Auch wenn die Arbeitsstrukturen sehr flexibel und an die erforderlichen Gegebenheiten angepaßt werden, schien mir paradoxerweise die Hierarchie als vorherrschendes Organisationsprinzip.

Mich hat als Wissenschaftsjournalistin besonders die Forschung auf dem Gebiet der hormonellen VerhĂŒtung und dem Gebiet der AidsprĂ€vention interessiert. Mir wurde ein maßgeschneidertes Interviewprogramm in den Laboren ermöglicht, in denen ich vieles ĂŒber die amerikanische Forschungslandschaft erfahren habe.

Besonders der Nachmittag bei der Arbeitsgruppe der Microbicides. Das sind Stoffe, die als eine Art VerhĂŒtungsgel, die Ansteckung von Frauen mit dem HI-Virus verhindern sollen. Der zweite klinische Versuch wird zur Zeit in Afrika gestartet. Mich hat dabei die multinationale Zusammensetzung der Forscher, das Zusammenspiel von jung und alt und der kreative wissenschaftliche Ansatz fasziniert. Da gibt es tatsĂ€chlich jemanden, der die Ansteckung von HIV im Tierversuch an einer Maus nachvollziehen will, was bisher noch nicht möglich war. Die Ansteckung mit HIV wird bei MĂ€usen mit dem Herpes-Virus simuliert. Der junge Forscher war noch ganz am Anfang seiner Versuche und war sehr enthusiastisch.

Es hat mir Spaß gemacht, mich einmal mit Themen zu beschĂ€ftigen, die sich fĂŒr meine aktuelle Arbeit nicht direkt umsetzen lassen.

Ein  anderes Projekt war noch die Recherche zum Thema Tuberkulose in New York. Das war schwieriger und langwieriger als ich mir vorgestellt hatte. Ich mußte mit dem New Yorker Gesundheitsamt korrespondieren. Es war weniger schnell zu realisieren, obwohl ich ein Empfehlungsschreiben von einem international anerkannten Lungenfacharzt aus Berlin hatte. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell, nachdem die Presseabteilung des Govenors ihr OK gegeben hatte. Ich sprach mit den Verantwortlichen des TB-Control-Programs New Yorker Gesundheitsamt, mit Streetworkern, Psychologen und selbst mit einer Patientin.

Nach sieben Wochen in New York flog ich nach North Carolina, Triangle Research Park.

Das ist eine der wenigen Gegenden in den USA, in denen es noch boomt. Durch einen Kontakt von Herrn Dr. Walther Leisler Kiep zu Glaxo Smith Kline, wurde es mir ermöglicht, drei Wochen lang in der Kommunikationsabteilung des Pharmakonzerns mitzuarbeiten.