Roadtrip durch die USA

Von Pauline Tillmann

Das Thema für meine Recherchereise durch die USA 2014: „Die Zukunft des Journalismus.“ Man könnte sagen: langweilig. Ich antworte: vielversprechend! Denn ich arbeite seit 2001 als Journalistin und habe in der Medienbranche noch nie so viel Umbruch und Aufbruch erlebt, wie in den vergangenen fünf Jahren. Vielen macht das Angst. Ich hingegen finde es spannend mitzuerleben, wie sich der Journalismus neu erfindet. Es ist eine Pionierzeit – und ich mittendrin. In Deutschland wird man für so eine Haltung belächelt. In den USA ist man schnell von Gleichgesinnten umgeben.

Die ersten vier Wochen habe ich in der Medienhauptstadt Nummer Eins, in New York City, verbracht und mit Vertretern der New York Times, Facebook, Huffington Post, BuzzFeed und vielen vielen mehr gesprochen. Danach bin ich weitergereist und habe Boston, Washington D.C., Seattle, San Francisco, Silicon Valley und Los Angeles besucht. Insgesamt habe ich 27 Interviews geführt und einen Blog für den Bayerischen Rundfunk – fast täglich – neu bestückt:http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/medienmagazin/journalismus-zukunft-2 020-blog-100.html. Dort habe ich Texte, Fotos, Audios und Videos veröffentlicht, um zu veranschaulichen, wie so eine Recherche abläuft.

Die Interviews mĂĽndeten am Ende in ein Stundenfeature, das im Januar 2015 auf Bayern2 gesendet wurde:
http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/radiothema/medien-trends-us-100.html.
Das Neuartige war, dass sich der Leser – bereits während der Recherche – über Social Media aktiv einschalten konnte. Dass er miterleben konnte, welche interessanten Gesprächspartner ich treffe und vergleichsweise schnell erste Interviewausschnitte anhören konnte. Auch für mich war das eine echte Herausforderung. Ich habe zwar nicht in Echtzeit berichtet, aber ich musste mich nicht nur um aktuellen hochwertigen journalistischen Content kümmern, sondern auch um günstige Übernachtungen, Flüge – und vor allem die nächsten Interviewtermine.

Insgesamt war ich natürlich, wie könnte es anders sein, vollkommen überwältigt von den Eindrücken. Von der Offenheit und Vielfältigkeit der US-amerikanischen Gesellschaft. Von der Herzlichkeit vieler Amerikaner. Ich habe zuletzt vier Jahre als freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg gelebt und für deutsche Medien über Russland und die Ukraine berichtet. In Russland werden die USA als Erzfeind, als Dämon, als Wurzel allen Übels stilisiert. Es war wertvoll für mich, mir ein eigenes Bild zu machen. Und zu erkennen, dass ganz schön viele Russen nicht nur nach Deutschland sondern auch nach Amerika auswandern.

Nach 13 Wochen, die ich von Ost nach West, von West nach Ost gereist bin, war ich ganz schön erschöpft. Aber vor allen Dingen war ich inspiriert und begeistert – von der Aufbruchstimmung, vom Unternehmergeist, von der Fehlerkultur. Das Motto „Fail Forward“ habe ich mit nach Deutschland genommen und das gemacht, wovon ich schon lange geträumt habe: Ich habe mit „Deine Korrespondentin“ ein eigenes digitales Magazin gegründet. Getragen von dem amerikanischen Optimismus habe ich, gemeinsam mit sechs weiteren Korrespondentinnen, im Februar 2015 eine Crowdfunding gestartet:https://www.startnext.com/deine-korrespondentin. Seit Mai ist unsere Webseite online:http://www.deine-korrespondentin.de.

Außerdem habe ich meine Rechercheergebnisse zu einem eBook zusammengefasst, das im Mai 2015 erschienen ist. Titel: „10 Trends für Journalisten von heute.“ Link zum kostenlosen Download: http://www.nextmedia-hamburg.de/fileadmin/user_upload/PDFs/10_Trends_fuer_Journalisten_ von_heute_-_Pauline_Tillmann.pdf. Es war mir ein besonderes Anliegen, dass sich meine umfangreichen Recherchen nicht einfach so „versenden“. Auch wenn die Trends in einem Jahr bereits andere sein werden, im Moment liefert dieses Buch einen guten Überblick, wo die Reise im Journalismus – auch in Deutschland – hin geht.

Ich danke der Michael Jürgen Leisler Kiep-Stiftung für Ihre Unterstützung, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Die Erfahrungen, die ich in den USA gesammelt habe, haben mich geprägt und, da bin ich mir sicher, werden mich ein Leben lang begleiten.